Grußworte Peter Berner

Die vorliegende Festschrift illustriert anschaulich welche Beiträge das Anton Proksch-Institut für die Fortschritte auf dem Gebiete der Behandlung und Erforschung von Suchtkrankheiten erbracht hat. Die Leistungen, die nicht nur in Österreich sondern weltweit anerkannt wurden und eine Modellfunktion ausübten, geschlossen und übersichtlich anläßlich des 60. Geburtstages von Rudolf Mader darzustellen, erscheint besonders sinnvoll, da ihr Zustandekommen zu einem guten Teil sein persönliches Verdienst ist. Die Rolle, welche Mader bei der Entfaltung des Genesungsheimes Kalksburg gespielt hat, läßt sich nicht einfach auf die Tatsache zurückführen, daß er es nunmehr seit über zwanzig Jahren leitet. Sie kann vielmerh erst dann richtig eingeschätzt werden, wenn man die Umstände wieder in Erinnerung ruft, unter welchen das Institut errichtet wurde: Dies geschah in jener optimistischen Aufbruchstimmung, welche in den Nachkriegsjahren durch die Psychohygiene-Bewegung in den europäischen Ländern entfacht wurde: Angeregt durch die in Amerika erarbeiteten Ansätze zu einer umfassenden Neuorientierung der psychiatrischen Versorgung aus der Perspektive einer multifaktoriellen Genese psychischer Störungen, in welcher dem gesellschaftlichen Umfeld eine wichtige Rolle beigemessen wurde, versuchte man mit Enthusiasmus neue Behandlungs- und Betreuungsstrukturen für seelische Gestörte zu planen und zu verwirklichen. In Österreich war es Hans Hoff, der sich besonders energisch dieser Aufgabe widmete und die Gründung einer Reihe von Institutionen erwirkte, die zu den grundlegenden Aufbauelementen eines differenzierten psychiatrischen Versorgungsnetzes in unserem Land wurde. Eine dieser Institutionen war das Genesungsheim Kalksburg.

Wie die weltweite Erfahrung lehrt, darf man sich jedoch nicht der Illusion hingeben, daß mit der Gründung entsprechender Einrichtungen das von ihnen zu bewältigende Problem schon gelöst ist. Mancherorts haben sich psychosoziale Dienste und spezialisierte Betreuungsinstitute in Routinemaßnahmen verstrickt, die dem Wandel der Lebensumstände nicht mehr gerecht werden und die Notwendigkeit einer begleiteten Forschung aus dem Auge verlieren. In Österreich war das nicht der Fall, weil es gelang, aufgeschlossene Persönlichkeiten in die entsprechenden Führungspositionen zu berufen. Hierfür ist das Genesungsheim Kalksburg ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Hoff betraute Kryspin-Exner mit der Leitung der Anstalt, der die Grundlagen für ihren Ausbau zu einem modernen Therapie- und Forschungsinstitut legte. Dieser Aufgabe hat sich Rudolf Mader, als er nach der Berufung Krypsin-Exners zum Vorstand der psychiatrischen Universitätsklinik Innsbruck dessen Nachfolge antrat, mit bewundernswertem Geschick und Ausdauer gewidmet. Dank seiner ständigen Innovations-bereitschaft und seines Koordinationstalentes hat er auch in einer Zeit, in der die Psychohygiene-Bewegung weitgehend ihren Elan verloren hatte, unermüdlich das Anton Proksch-Institut den aktuellen Erfordernissen angepaßt: Neue Einrichtungen wurden geschaffen, moderne Therapie- und Diagnosemethoden wurden eingeführt, die Forschungskapazität wurde vervielfältigt, die internationalen Kontakte wurden ausgebaut und die Personalstruktur wurde so modifiziert, daß sie den geänderten Bedingungen entsprach. Daß es Mader gelang, all diese komplexen Probleme mit viel Geschick zu lösen, ist wohl nicht nur seiner außergewöhnlichen fachlichen Kompetenz zuzuschreiben. Hierzu hat sicherlich auch seine an Sport interessierte Persönlichkeitsstruktur beizutragen: Er ist immer „am Ball geblieben“. Dadurch ist das Anton Proksch-Institut eine der international anerkanntesten Einrichtungen auf dem Gebiet der Suchtbetreuung und –forschung geworden und geblieben. Diese Festschrift legt hierfür ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

Univ. Prof. Dr. Peter Berner

Vizepräsident der Stiftung Anton Proksch-Institut Wien (1976 – 1994)